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Seiler/in

Tätigkeiten in diesem Beruf
Grafik: Ausbildung Seiler/in
Grafik: Ausbildung Seiler/in

Berufsüberblick.
Die wichtigsten Infos.

AusbildungsartKlassische duale Berufsausbildung
Empf. SchulabschlussHauptschulabschluss
Ausbildungsdauer3 Jahre
Arbeitszeitwerktags

Allgemeine Infos

Was haben Bergsteiger und Fahrstühle gemeinsamen? Beide wollen hoch hinaus, aber ohne die richtigen Seile würden sie ziemlich tief fallen. Mit der Ausbildung als Seiler sorgst du dafür, dass das nicht passiert. Darin lernst du nämlich, reißfeste Seile aus Naturfasern, Kunststoff und Metall für die unterschiedlichsten Zwecke anzufertigen – von millimeterdünnen Litzen für die Medizintechnik über strapazierfähige Schiffstaue bis hin zu dicken Trossen, an denen tonnenschwere Seilbahnen baumeln. Du hast Lust auf einen echten Drahtseilakt? Dann t(r)au dich und werd' Seiler!

Bild aus dem Text zu Seiler/in

Was lernen Seiler während der Ausbildung?

In der Ausbildung zum Seiler beziehungsweise zur Seilerin lernst du, Seile anzufertigen. Viele, viele verschiedene Seile: Kletterseile für Alpinisten, Springseile fürs Bungeejumping, Lastenseile für Kräne, Drahtseile, die Gondeln tragen, Abschleppseile, Fahrstuhlkabel, Schiffstaue und etliche mehr. Je nach Einsatzgebiet müssen die Seile unterschiedliche Belastungen aushalten können und dafür aus bestimmten Materialien bestehen. Es gibt Seile aus Naturfasern wie Hanf, Flachs und Kokos, aus Kunstfasern wie Polyester und Polygan und aus Stahl und Metall. Manche Seile haben auch einen Metallkern und drum herum ein anderes Material, und für besonders massive Trosse werden sogar mehrere Seile miteinander verknüpft.

Der Aufbau eines Seils ist heutzutage der gleiche wie vor 2000 Jahren: Mehrere Fasern werden zu Fäden gesponnen, Fäden verdrehst du zu sogenannten Litzen, und aus mehrere Litzen wird dann ein Seil. Mittlerweile geschieht das aber vor allem maschinell, vor allem die Verseil- und Seilschlagmaschine kommt zu Einsatz. Und natürlich die Flechtmaschine, in die du einzelne Spulen von Fäden setzt. Da du immer mehrere Seile gleichzeitig herstellst, musst du immer auch mehrere Maschinen parallel im Blick haben. Dabei arbeitest du nach genauen Vorgaben: Je nach Material, der Zahl der eingesetzten Spulen und den Maschineneinstellungen hat so ein Seil unterschiedliche Eigenschaften, ist beispielsweise besonders reißfest oder reibungsresistent.

Handarbeit ist im Beruf des Seilers aber ebenfalls gefragt, beispielsweise, wenn du Ösen und Schlingen am Seil anbringst oder beim sogenannten Spleißen, dem dauerhaften Verflechten zweier Tauenden. Außerdem erlernst du auch das klassische Handwerk, Stricke per Hand aus Naturfasern zu knüpfen. Ob maschinell oder per Hand geknüpft: Am Ende prüfst du jedes Seil auf die Qualität und Belastbarkeit.

Wie sieht der Arbeitsalltag als Seiler aus?

Aufgrund der Menge an Seilen, die du herstellst, kann der Job zugegebenermaßen manchmal etwas monoton sein. Dafür geht es für dich zwischendurch aber immer wieder auch auf Montage. Da du die Eigenschaften der Seile und Netze selbst am besten kennst, bringst du sie logischerweise häufig auch gleich an. In der Ausbildung als Seiler fertigst du außerdem nicht nur Seile, sondern auch Netze an. Bei einem Fischernetz musst du zum Beispiel wissen, in welchem Gebiet damit gefischt wird und welches Gewicht es ziehen muss. Das Lagern, Verpacken und Versandfertigmachen von Seilen und Netzen gehört ebenfalls zu deinen Aufgaben.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Die Ausbildung zum Seiler hat eine Ausbildungsdauer von drei Jahren und ist eine klassische duale Berufsausbildung. Das bedeutet, du arbeitest nicht nur im Betrieb, sondern besuchst auch eine Berufsschule. Dort lernst du verschiedene Knüpftechniken, Maschinen, Knoten, Spleiße und Seiltypen kennen, außerdem steht eine Menge Material- und Faserkunde auf dem Lehrplan. In deinem Ausbildungsbetrieb setzt du das Gelernte dann tatkräftig um. Passende Ausbildungsplätze findest du bei Seilerei- und Konfektionsbetrieben, in Spinnereien und Nähgarnherstellern.

Welche Schulausbildung benötige ich für die Ausbildung als Seiler?

Um Seiler zu werden, ist ein Hauptschulabschluss ausreichend. Auf jeden Fall solltest du zumindest Grundkenntnisse in Mathe und Physik mitbringen, schließlich musst du die Länge und den Durchmesser berechnen können, die zu der anstehenden Belastung eines Seils passen. Daneben solltest du für die Handarbeit handwerkliches Geschick und für den Umgang mit Maschinen technisches Verständnis mitbringen.

Daneben solltest du kein Problem mit lauten Geräuschen haben, denn in den Werkstätten geht es nicht gerade wie in einer Bibliothek zu. Außerdem solltest du kein Problem damit haben, im Stehen zu arbeiten – andernfalls hängst du schon nach wenigen Stunden in den Seilen.

Du solltest Seiler/in werden, wenn...
  1. du handwerkliches Geschick und technisches Verständnis mitbringst.
  2. eine Werkstatt dein bevorzugter Arbeitsplatz ist.
  3. du gerne auch mal auf Montage fährst.
Du solltest auf keinen Fall Seiler/in werden, wenn...
  1. du permanent Abwechslung brauchst.
  2. dir schnell der Rücke wehtut.
  3. Mathe und Physik dich so gar nicht interessieren.
Nach deiner Ausbildung kannst du…
  • Seile und Netze aus verschiedenen Materialien herstellen.
  • Verseil-, Seilschlag- und Flechtmaschinen bedienen.
  • Ösen und Schlingen am Seil anbringen.
  • Spleißen, also zwei Tauenden verflechten.
  • Seile und Netze montieren.

Gehalt

In der Ausbildung als Seiler lernst du, Seile zu flechten und Netze zu knüpfen. Dass das nicht unbezahlt passiert, ist klar. Aber reicht dein Ausbildungsgehalt aus, um dir auch ein stabiles finanzielles Sicherheitsnetz zuzulegen? Schließlich sind Azubis ja nicht unbedingt für ihren Reichtum berühmt, und Smartphone, Klamotten oder sogar eine eigene Wohnung wollen auch irgendwie bezahlt werden. Gucken wir uns also mal an, was du während deiner Lehre für einen Lohn bekommst, und wie sich dein Kontostand nach der Ausbildung verändert.

Schauen wir uns zuerst mal die Vergütung während der Ausbildung an: Im ersten Jahr als Seilerlehrling verdienst du mindestens 724 Euro, im zweiten Jahr dann mindestens 854 Euro brutto im Monat. In deinem dritten und letzten Lehrjahr steigt dein monatliches Gehalt dann auf mindestens 977 Euro an. Bei den Angaben handelt es sich um den Mindestlohn, der Azubis seit Januar 2020 offiziell zusteht. Er wurde seitdem jedes Jahr erhöht. Natürlich kann dein Gehalt auch höher ausfallen. Das hängt schlussendlich von deinem Ausbildungsbetrieb ab.

Wie viel du letzten Endes genau verdienst, kommt also auf den ausbildenden Betrieb an: Wie groß ist er? Wo liegt er? Ist er an einen Tarif gebunden? Als Faustregel gilt: In größeren Betrieben mit hundert Angestellten und in den sogenannten alten Bundesländern verdienst du in der Regel mehr als in kleinen, familiären Firmen oder in Ostdeutschland. Und mit einer Vergütung, die von einem Tarifvertrag vorgegeben wird, darfst du dich meistens ebenfalls über ein bisschen mehr Gehalt freuen als bei Unternehmen, die an keinen Tarifvertrag gebunden sind. Eine Garantie gibt es dafür aber nicht.

Wieviel verdiene ich als Seiler?

Nach deiner Ausbildung bist du ein vollwertiger Mitarbeiter und darfst dich dementsprechend auch über ein höheres Gehalt freuen, als du es noch als Azubi bekommen hast. Als frischgeknüpfter Geselle bekommst du zu Beginn in der Regel um die 2000 bis 2200 Euro monatlich. Dein Lohn wächst im Laufe der Jahre dann immer weiter und steigt auf bis zu 2800 Euro an. Wenn dir das noch nicht genug ist, kannst du dein Gehalt mit Hilfe von Weiterbildungen in die Höhe schrauben. Als Meister oder Techniker bekommst du zum Beispiel ab 3000 Euro monatlich gezahlt.

Wie schon beim Ausbildungsgehalt kommt es auch bei deinem späteren Verdienst auf Größe und Lage deines Arbeitgebers an sowie darauf, ob er nach Tarif bezahlt. Außerdem musst du bedenken, dass alle Zahlen, die wir hier nennen, Bruttowerte sind. Davon werden jeden Monat noch einige Euro für Steuern und Versicherungen abgezogen. Übrig bleibt der Nettolohn – und der landet dann auf deinem Konto.

Karriere

Ausbildung als Seiler

Nach drei Jahren endet deine Ausbildung, und du hast alles gelernt, was es über die Herstellung von Seilen zu wissen gibt. Kunststoffseile, Drahtseile, Naturfaserseile – du weißt, wie sie angefertigt werden und wann welches Material zum Einsatz kommen muss. Höchste Zeit, das Karrieretau weiter hinauf zu klettern!

Seilermeister

Die beliebteste Weiterbildung im Handwerk ist die zum Meister, auch als Seiler kannst du diesen Titel erwerben. Dazu musst du die Meisterprüfung vor der IHK oder der Handwerkskammer bestehen. Spezielle Lehrgänge bereiten dich auf diese Prüfung vor. In Vollzeit dauern sie zwei, in Teilzeit vier Jahre, außerdem kosten sie dich einige tausend Euro. Fleiß und Geld sind aber bestens angelegt, denn durch die Weiterbildung vertiefst du nicht nur deine fachlichen Fähigkeiten, sondern eignest dir auch eine Menge betriebswirtschaftliches Wissen an. Deinen Kontostand besserst du übrigens auch noch auf, ein Meister verdient rund 3000 bis 4000 Euro im Monat.

Techniker – Textiltechnik

Wenn du dich für die Herstellung von Textilien interessierst, solltest du über die Weiterbildung zum Techniker der Fachrichtung Textiltechnik mit dem Schwerpunkt Textilerzeugung – oder kurz: Techniker Textiltechnik – nachdenken. Als solcher stellst du weniger Seile her, sondern eher bestimmte Fasern, zum Beispiel Chemiefasern, und die Maschinen, die bei den Seilern zum Einsatz kommen. In Vollzeit dauert die Weiterbildung zwei, in Teilzeit vier Jahre. Um dich dafür anzumelden, musst du neben der abgeschlossenen Ausbildung auch mindestens über ein Jahr Berufserfahrung verfügen. An manchen Fachschulen ist die Weiterbildung kostenlos, an anderen musst du zwischen mehreren hundert bis zu ein paar tausend Euro bezahlen. Dafür erwartet dich als Techniker, ähnlich wie als Meister, aber auch ein Gehalt zwischen 3000 und 4000 Euro im Monat.

Studium

Dein Wissensdurst rund um all die Materialien, aus denen du seit Jahren Seile herstellst, ist noch lange nicht gestillt? Warum dann nicht noch ein Studium dranhängen? Das ist nur was für Abiturienten? Von wegen, gerade im handwerklichen Bereich kannst du auch ohne Abi studieren. Meistens brauchst du dann den Meistertitel, die genauen Voraussetzungen checkst du aber am besten bei der Uni deiner Wahl, denn sie unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und von Hochschule zu Hochschule. Fächer, die zu dir passenden könnten, sind zum Beispiel Textiltechnik oder Werkstoffwissenschaft.

Selbstständigkeit

Der eigene Betrieb – das ist für viele Azubis das große Ziel! Wenn auch du dein eigener Chef sein möchtest, musst du aber so manches beachten. Zuerst wäre da der Meistertitel. Der ist zwar keine Pflicht, um sich selbstständig zu machen, aber ungemein hilfreich – vor allem, weil er dir wichtiges Know-how zu Themen wie Buchführung und Mitarbeiterführung vermittelt. Außerdem solltest du schon ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt haben, um das Business wirklich zu kennen. Daneben sorgt ein fester Kundenstamm für regelmäßige Aufträge, und Erspartes hilft dir dabei, die ersten Monate finanziell über die Runden zu kommen.

Wusstest du schon, dass...
  • die Hamburger Reeperbahn so heißt, weil dort früher Seile für die Schifffahrt gemacht wurden? Ein Reep ist nämlich eine Art Tau.
  • ein fertiges Fischernetz bis zu 10 Tonnen schwer und 600 Meter lang sein kann?
  • das stärkste Seil der Welt aus Kunststofffasern besteht, die dünner als ein Haar sind? Es ist achtmal leichter als ein genauso dickes Stahlseil.
  • Tauziehen schon in der Antike veranstaltet wurde? Damals aber vor allem noch als Training für andere Sportarten. Von 1900 bis 1920 war es sogar eine olympische Disziplin.
  • der höchste Bungeejump der Welt aus 321 Metern von der Royal Gorge Bridge in Colorado ausgeführt wurde?

Bewerbung

Nicht nur für angehende Seiler wirkt die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz auf den ersten Blick vielleicht wie ein Drahtseilakt: Sich selbst in ein gutes Licht rücken, aber nicht zu dick auftragen. Wichtige Informationen über sich selbst verraten, dabei aber bloß nichts künstlich in die Länge ziehen. Und dann noch alles optisch ansprechend, aber nicht zu verschnörkelt verpacken. Keine Sorge, mit ein paar kleinen Tipps meisterst du diesen Akt spielend wie ein Seiltänzer. Wir verraten dir, wie du deine Bewerbung so hinbekommst, dass sie den Leser fesselt wie ein Juteseil.

Wie sieht das Bewerbungsverfahren aus?

In deiner Bewerbung geht es einzig und allein darum, dem Betrieb, bei dem du dich bewirbst, klarzumachen, dass du der beste Azubi bist, den er finden kann. Dafür musst du zum einen begründen, warum du dich für diesen doch außergewöhnlichen Job und für genau diesen Arbeitgeber entschieden hast, und zum anderen musst du deutlich machen, dass du die nötigen Voraussetzungen mitbringst.

Im Anschreiben erzählst du also, wie du überhaupt auf die Seilerei gekommen bist. Was fasziniert dich an dem Beruf? Die Sorgfalt, mit der gearbeitet wird? Die Mischung aus Handwerk und Technik? Vielleicht liegt dir ja auch einfach der klar strukturierte Arbeitsalltag. Daneben verrätst du, warum du deine Ausbildung unbedingt bei diesem Betrieb machen möchtest. Ist es die Spezialisierung auf bestimmte Seilarten? Die hochmoderne Ausstattung? Die Tradition des Familienbetriebs? Anschließend verrätst du noch, warum du denkst, besonders geeignet zu sein. Kennst du dich schon mit Seilen aus, weil du vielleicht selber kletterst oder hin und wieder auf Schiffen unterwegs bist? Hast du dein handwerkliches Geschick sogar schon in einem Praktikum unter Beweis gestellt?

Im Lebenslauf gibst du eine Übersicht über deine schulische Laufbahn, aber auch über deine Hobbys und sonstigsten Kenntnisse. Zeugnisse, vor allem dein letztes Schulzeugnis und Praktikumszeugnisse, runden deine Bewerbung ab. Die Unterlagen verschickst du dann in der Regel auf dem Postweg. Bei kleinen, familiären Betrieben kannst du deine Bewerbung eventuell auch persönlich abgeben.

Dresscode im Bewerbungsgespräch

Wenn du mit deiner Bewerbung überzeugt hast, steht nur noch das Vorstellungsgespräch zwischen dir und deinem Ausbildungsvertrag. Und wie bei einem guten Seil kommt es auch jetzt auf die Wahl der richtigen Textilien an. Da du als Seiler vor allem in Werkstätten zu finden sein wirst, kannst du deinen Anzug oder das aufwendige Kostüm ruhig im Kleiderschrank lassen. Es reicht, wenn du sauber und gepflegt auftauchst. Eine gute Jeans mit einem schlichten, schicken Oberteil, dazu saubere, nicht zu ausgelatschte Schuhe – das ist als Outfit fürs Kennenlernen völlig ausreichend.

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